Nach zwölf Jahren und drei teils vergeblichen Versuchen macht Microsoft  Ernst: Im kommenden April wird auch der kostenpflichtige Support für Windows XP endgültig eingestellt.

Doch schon jetzt bläst Redmond zum Zapfenstreich für sein wohl langlebigstes Desktop-Betriebssystem. Anwender sollten sich spätestens im Herbst nach einer Alternative umsehen.

Als Microsoft zur CeBIT 2001 die ersten Vorabversionen von Windows XP vorstellte, hatte vermutlich nicht einmal Bill Gates erwartet, dass es zu einem derart durchschlagenden Erfolg werden würde. Zu einhellig war der Branchenspott über die „Klickibunti“-Benutzeroberflache, zu heftig die Kritik am eingeschränkten Funktionsumfang, den das neue Windows im Vergleich mit „richtigen“, Unix-artigen Betriebssystemen aufwies. Fünf Jahre später war die Kritik zwar nicht verstummt, aber XP lief weltweit auf 400 Millionen PCs –illegale Kopien nicht gerechnet. Und noch im Juni 2013 bezifferte der Branchendienst Netmarketshare seinen Marktanteil auf stolze 37,2 Prozent. Damit belegte es nach Windows 7 (44,4 Prozent) weiterhin einen unangefochtenen 2. Platz. Unter Sicherheitsaspekten lasst sich die andauernde Beliebtheit bis heute nicht schlüssig erklären, zumal Windows XP vom Start weg deutliche Lücken aufwies. So fand ein Hacker parallel zum Verkaufsstart drei Schwachstellen im damals noch recht neuen UPnP-Protokoll zur Anbindung von Peripheriegeräten, die Angreifer unter anderem nutzen konnten, um ganze Netzwerksegmente lahmzulegen. Und spätestens mit dem Wurm Nimda begann die unrühmliche Historie speziell für Windows XP „optimierter“ Schadsoftware, die ihm selbst bei den eher zurückhaltenden Herstellern von Sicherheitsprogrammen den Ruf einer leicht knackbaren Virenschleuder einbrachte.

 

Nachfolger und Kronprinzen

Trotz dieser berechtigten Kritik entwickelte sich „WinXP“ schnell zum unbestrittenen Verkaufshit. Gründe dafür waren einerseits neue bzw. erweiterte Netzwerk- und Multimediafunktionen sowie die verbesserte Hardware-Erkennung, andererseits die leichtere Bedienbarkeit und größere Stabilität, durch die sich das OS von seinen Vorlaufern absetzte. Mit dieser Merkmalkombination war es plötzlich auch für Unternehmen interessant, die zuvor andere, teils branchenspezifische Plattformen und Lösungen nutzten, um etwa zentrale Netzwerkdienste einzurichten. Fortgesetzte Angriffe schärften derweil das Sicherheitsbewusstsein der Nutzer und führten zur Einrichtung des Patch Tuesday, an dem Microsoft seit zehn Jahren monatlich einmal sicherheitsrelevante Updates verteilt. Aufgeschreckt durch die zahlreichen Exploits arbeiteten die Entwickler zeitgleich am Nachfolger Windows Vista, der 2006 in den Handel kam. Dessen Schutzkonzept erschien jedoch den meisten Anwendern zu restriktiv, so dass sie bei XP blieben. Erst mit dem 2009 vorgestellten Windows 7 fand Microsoft eine akzeptable Kombination aus Sicherheit und Benutzbarkeit, die seitdem ständig Marktanteile gewinnt. Das im vergangenen Herbst erschienene, touch-optimierte Windows 8 zielt mit seiner radikal überarbeiteten Benutzeroberflache und den auf den ersten Blick dominierenden Apps eher auf Tablet- als auf klassische PC-Nutzer.

 

Wohin wechseln?

Obgleich die Auswahl an Nachfolgern damit so groß ist wie selten zuvor, schrecken viele Microsoft-Kunden noch immer vor einem Wechsel zurück. Zum Teil aus durchaus nachvollziehbaren Gründen: So haben viele IT-Abteilungen nicht bloß Web- und Intranet-Anwendungen, sondern auch ihre selbst entwickelten Programme – z. B. zur Anlagensteuerung – auf Windows XP, die zugehörigen Internet-Explorer-Versionen 6 bis 8 und das mitgelieferte .NET-Framework zugeschnitten. In diesen Fällen ist ein Wechsel alles andere als trivial. Andererseits hangt XP seit dem Ende des regulären Supports vor vier Jahren buchstäblich am Tropf und lasst sich auf aktueller wie kommender PC-Hardware wenn überhaupt nur noch in einer VM betreiben. Mittelfristig wird der Betrieb von XP-Systemen somit immer komplizierter und damit über kurz oder lang unrentabel – die Zeit für den Umstieg ist gekommen. Unter welchem Betriebssystem ihre Arbeitsplatzrechner zukünftig laufen sollen, müssen Unternehmen dabei nach wie vor selbst entscheiden. Für diejenigen, die der Plattform treu bleiben möchten, bieten sich Windows 7 oder das für Herbst angekündigte, runderneuerte Windows 8.1 in der Professional- bzw. Enterprise-Variante an. Fans traditioneller Desktop-Umgebungen, die weiterhin auf lokal installierte Anwendungen setzen, durften besser mit der älteren Version zurechtkommen. Firmen mit einer großen Zahl mobiler Mitarbeiter, die trotz der zuletzt bekannt gewordenen Sicherheitsrisiken eine möglichst enge Integration mit den Cloud-Varianten von Microsofts Office-Paket anstreben, profitieren eher von einem Wechsel zur jüngsten Generation.Wie immer die Entscheidung ausfällt, Zukunftssicherheit ist in jedem Fall gegeben, denn der Langzeit-Support für die beiden aktuellen Windows-Versionen endet erst 2020 bzw. 2023.

Und wer die Windows-Welt hinter sich lassen muss oder will, kann ohnehin unter einer Vielzahl von Betriebssystemen wählen.